Vegan Wednesday – 06.03.2013

11 Kommentare

Meine Mutter ist die beste Köchin, die ich kenne. Bekannt ist sie vor allem für ihre besonderen Kreationen und italienisches Essen; als Kind mochte ich am Liebsten ihre Quiches, die jährliche Zimttorte zu meinem Geburtstag, ihr fantastisches Eis aus dem Thermomix und die Kleinigkeiten, zum Beispiel ihre weltbesten Spitzbuben in der Adventszeit oder auch ihr Salatdressing, das einfach immer schmeckt.
Eine Einladung zum Essen ist bei uns in der Familie eine eigene Kunst. Wir schieben nicht einfach einen Auflauf in den Ofen. Nie habe ich es erleben – weder bei meiner Mutter noch bei meiner Großmutter – dass Gäste kamen und es nur ein Gericht gab.
Wenn wir früher meine Großmutter besucht haben, war der Tag nach Mahlzeiten strukturiert. Wir kamen morgens gegen 10 Uhr bei ihr an und der Tisch war schon gedeckt; es gab selbstgekochte Marmeladen, im Ofen erwärmtes Gebäck, frischen Tee und die Kerzen brannten. Vom Frühstückstisch begaben wir uns zum Mittagessen, das früher immer (!) mit einer Suppe und einer selbstgemachten Einlage begann. Zum Hauptgericht gab es einen Beilagensalat mit frischen Kräutern aus dem Garten und der Nachtisch stand auch schon bereit. Nicht zu vergessen den Nachmittagstee mit frisch gebackenem Kuchen – meist sogar einer Auswahl an verschiedenen Kuchen. Die Regel in meiner Familie geht ungefähr so: Pro drei Personen eine Sorte Kuchen, das bedeutet, wenn acht Gäste kommen, dann gibt es auch mindestens drei Kuchen.
Das ist der Grundsatz, den wir von meiner Großmutter übernommen haben, vielleicht eine Kriegserinnerung: Es muss immer etwas übrig bleiben, nie darf jemand sich unwohl fühlen, weil er das letzte Stückchen genommen hat. Das ist Zeichen der Gastfreundschaft – dass es von allem reichlich gibt.

Meine Mutter und meine Großmutter ließen diese Einladungen immer sehr einfach aussehen. Den eigenen Geburtstag zuhause feiern und ein Buffet für 30 Personen vorbereiten? Kein Problem. Als Kind war ich von der großen Auswahl an fabelhaften Speisen sehr beeindruckt. Erst mit der Zeit habe ich verstanden und mitbekommen, dass ein solches Fest mehrere Tage Vorbereitungszeit braucht.

Gestern habe ich nur für drei Personen gekocht, trotzdem war ich um 8 Uhr schon in der Stadt um frisches Gemüse zu kaufen und stand um neun Uhr am Herd. Obwohl es Zeit kostet, mehrere Speisen vorzubereiten, die Zubereitungszeit aufeinander abzustimmen und im gleichen Atemzug noch dafür zu sorgen, dass der Tisch gedeckt und dekoriert und die Küche aufgeräumt und sauber ist, möchte ich diese Tradition nicht missen. Mit einem liebevoll zubereiteten Essen lässt sich Freundschaft und Zuneigung ohne große Worte ausdrücken. Und wenn ich in der Küche stehe und für Freunde oder auch nur für meinen Freund und mich koche, dann denke ich an meine Großmutter und an meine Mutter, die mir gezeigt haben, wie wertvoll Gastfreundschaft und Großzügigkeit sind.

Hier mein Menü von gestern Abend:

» Möhren-Ingwersuppe mit Kokosmilch, garniert mit frischem Koriander
» Avocado, Sprossen, Ernüsse und Thaibasilikum in Reispapier mit Sojasoße
» Gegartes grünes Gemüse (Brokkoli, Zucchini, Aubergine, Zuckerschoten, Champignons, Maiskölbchen, Lauch und Frühlingszwiebel) mit Reis und gebratenem Tofu in gelbem Curry
dazu selbstgemachte Thai-Erdnusssoße und rote Currysoße sowie frische Limetten und gerösteten Cashews
» Glückskekse

Der Aufwand hat sich absolut gelohnt, wir hatten einen rundum schönen Abend; haben Essen und Wein bei guten Gesprächen genossen.
Ich hätte gerne einige von euch mit an den Tisch gebeten, denn ich habe natürlich viel zu viel vorbereitet und wir werden wohl noch einige Tage an den Resten essen!

Zubereitung der Frühlingsrollen:
2013-03-05 23.23.22
2013-03-05 23.32.37
Gemüse noch vor dem Garen:
2013-03-06 06.50.52
In meiner Küche war es zwischendurch etwas chaotisch, da ich mehr Töpfe als Herdplatten hatte!
2013-03-06 06.51.09
Limetten, geröstete Cashews, Koriander
2013-03-06 07.04.15
Tischdekoration:
2013-03-06 07.05.03
Möhren-Ingwer-Kokossuppe mit Koriander:
2013-03-06 07.36.59
Im Vordergrund sieht man die Erdnusssoße
2013-03-06 07.58.53
Voilà!
2013-03-06 08.05.42

Da dieser Post ja zum Vegan Wednesday gehört, fragt ihr euch vielleicht, wo meine Fotos vom Frühstück und Mittagessen geblieben sind. Beides ist bei mir gestern ausgefallen, auch wenn das vielleicht ungesund ist. Wer aber schon mal morgens um 10 Uhr eine Suppe und verschiedene Soßen abgeschmeckt hat, weiß vielleicht, dass dieses ständige Probieren und Naschen ziemlich sättigend ist (;

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Autor: annagoesvegan

Anna. 23 Jahre. Psychologiestudentin. Seit acht Jahren Vegetarierin. Seit Juli 2012 vegan.

11 Kommentare zu “Vegan Wednesday – 06.03.2013

  1. ..respekt..
    …eine schöne Tradition, die du da von deinen weiblichen Vorfahren übernommen hast….richtig schön wird diese Tradition natürlich dadurch, dass sie 100% tierleidfrei ausgeübt wird…

    Danke für den tollen Beitrag.

    liebe vegane Grüße, miss viwi

  2. Das klingt nach einem tollen Dinner! 🙂
    Und erinnert mich daran, dass ich auch mal wieder Frühlingsrollen machen könnte 🙂
    LG
    Lena

    • Da in der Packung 40 Blätter Reispapier drin waren, hab ich seit Mittwoch auch noch ein paar Mal Frühlingsrollen gemacht und immer ganz verschieden gefüllt – das geht so wunderbar schnell, kostet nicht viel, ist gesund und sehr sehr lecker!
      Eine Freundin, die am letzten Tag die letzte Frühlingsrolle abbekommen hat, meinte, dass sie noch nie was besseres gegessen hätte (;

      • Hihi, das klingt sehr gut 🙂 Bei mir auf der Arbeit waren auch immer alle ganz neidisch bei meinen Summerrolls. Ja, das mit dem nciht viel kosten stimmt echt. Man einfach gut auch seine Reste verwerten.

  3. Wow, ich bin von deinem Aufwand und dem Ergebnis beeindruckt! Das ist eine wundervolle Tradition und ich finde es sehr gut, dass du diese Tradition aufrechterhältst. Gerade in einer Zeit, in der Essen immer mehr in den Hintergrund rückt, wird so etwas umso wichtiger.
    Ach, und ich beneide deine Freundin schon ein wenig, wenn ich mir so die Bilder anschaue 😉

    Ganz liebe Grüße,
    Federchen

    • Liebes Federchen,

      bitte schreib mir, dass Du im Süden Deutschlands wohnst – am Besten Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz – und dann würde sich bestimmt ganz schnell ein Weg finden, dass Du zum Essen zu mir kommen kannst! Dann koche ich auch ein 10-Gänge-Menü… ich hab noch so viele Gerichte, die ich gerne ausprobieren würde!!

      Du hast wirklich Recht – Zuhause kochen wird heute in der Gesellschaft immer unwichtiger! Viele meiner Freundinnen/Freunde können kaum kochen und als mir vor einiger Zeit jemand beim Kochen geholfen hat (ich verrate jetzt nicht, wer es war ;)), wurde ich gefragt, welches von meinen Küchenkräutern das Basilikum sei….
      Hach, Kochen ist so etwas tolles und ich bemühe mich immer, andere dazu zu ermuntern, mehr in der Küche auszuprobieren!

      Liebste Grüße an Dich,
      Anna

      • Liebe Anna,

        vielen lieben Dank für das Angebot – ich wohne in Stuttgart 🙂 Wenn du mal wieder Zeit findest, kannst du mir auch gerne wieder eine Mail schreiben (und falls sich weitere Ernährungsfragen aufgetan haben in letzter Zeit bei dir).

        Ich koche auch jeden Tag, weil ich so selber bestimmt kann, was in mein Essen kommt und weil mir der Umgang mit Lebensmitteln einfach Spaß macht. Allerdings koche ich erst seit meiner Entscheidung zum Veganismus so intensiv.

        Liebste Grüße zurück,
        Federchen

  4. das erinnert mich auch gerade voll an die Tradition / Thanksgiving aus „Tiere essen“ – wirklich sehr schön, eure Tradition! Und ich kann mich anschließen – auch ich finde das Ergebnis beeindruckend! 😀

  5. Liebe Anna,
    dein Essen sieht einfach klasse aus!
    Ich habe im Dezember ein Adventsdinner für 10 Leute gegeben, daher kann ich dein ausgefallenes Frühstück und Mittagessen total verstehen 😉
    Die Idee, ein asiatisches Dinner vorzubereiten, gefällt mir sehr gut, da ich sonst nie asiatisch koche (ich bin eher Typ mediterran). Vor allem die kleinen Frühlingsrollen sind eine top Idee!

    Viele Grüße von Frau Schulz (die übrigens in RLP wohnt und sehr gerne mal zum Essen vorbeischaut 😉 )

    • Ohja, mediterran koche ich auch viel. Obwohl – eigentlich nur italienisch, ich schätze, das deckt nicht den gesamten Mittelmeerraum ab (;
      Aber asiatisch ist eigentlich auch so einfach zuzubereiten, und vor allem so vielfältig! Die meisten meiner Rezepte sind überwiegend thailändisch und indonesisch geprägt, aber auch die japanische und indische Küche hat sehr viel zu bieten!

      Übrigens liebe Frau Schulz – eine Einladung folgt bald! 🙂
      Viele liebe Grüße,
      Anna

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