Zeitverdichtung

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Zeit. Eine Duden-Definition ist die Aufeinanderfolge der Augenblicke. Das Oxford Dictionary beschreibt Zeit als the indefinite continued progress of existence and events in the past, present, and future regarded as a whole. Letztendlich ist Zeit nur eine physikalische Größe, die wir durch die Erdrotation definieren.
Zeit als messbarer Parameter in Einheiten wie Sekunden, Minuten, Stunden, Tage oder Jahre. Zeit ist also immer gleich, vergeht nicht langsamer oder schneller, auch wenn diese Tatsache nicht immer mit unserer Wahrnehmung übereinstimmt.
Bei meinen Recherchen zu Zeitmanagement bin ich aber immer wieder auf einen interessanten Begriff gestoßen: Zeitverdichtung. In der Literatur oftmals synonym mit Multitasking verwendet, hat Zeitverdichtung jedoch eine ganz andere Konotation. Wir haben heute kürzere Arbeitstage als noch vor 60 Jahren (die Einführung der 5-Tage Woche war 1956), sollen aber in weniger Zeit mehr erledigen.
Auch als Studentin versuche ich, annährned auf 40 Stunden Arbeits- und Lernzeit pro Woche zu kommen. Aber ist das sinnvoll? Ich hetze einer Zahl hinterher, die letztendlich keine Aussagen darüber macht, wie effektiv ich tatsächlich gearbeitet habe. Und Woche für Woche stelle ich fest, dass ich trotz allem nicht mit meinem Lern- und Arbeitspensum hinkomme.

Ganz nach meinen THP-Vorsätzen habe ich gestern begonnen, aufzuschreiben, womit ich meine Tage verbringe und wieviel Zeit ich für meine einzelnen Aufgaben aufbringe. Die Billanz des ersten Tages war frustrierend. Obwohl ich gestern bis 22 Uhr durchgehen beschäftigt war, das Haus nicht verlassen und kaum Pausen gemacht habe, habe ich an meinen „wichtigsten“ Aufgaben effektiv nur sechs Stunden gearbeitet. Aber was sagt das schon aus?
Meine Unzufriedenheit mit meiner Arbeitsleistung entsteht nicht dadurch, dass ich zu wenig arbeite, sondern in meiner Arbeitszeit nicht weit genug komme. Vielleicht ist das ein Problem des Studiums: Man erreicht bei der Prüfungsvorbereitung nur selten den Punkt, an dem man sich sagen kann Jetzt weiß ich alles und muss nicht mehr zu dem Thema lernen.
Auch nachdem ich dieses Jahr meine perfektionistischen Ansprüche gekürzt habe und mir meistens vornehme, nur 80% statt 100% zu geben (hier greift die 80-20-Regel: Für die verbleibenden 20% muss ich 80% meiner Arbeitszeit einsetzen), habe ich kein großes Mehr an Zeit.

Mein ursprünglicher Wunsch, durch ein besseres Zeitmanagement Aufgaben schneller zu erledigen, führt also letztendlich nur zu Zeitverdichtung und in letzter Konsequenz vermutlich zu einer Verschlechterung meiner Leistung.
Das Ziel muss es also sein, die Zeit, die mir zu Verfügung steht (etwa 16 Stunden pro Tag) anders zu bewerten.

Simplicity boils down to two things:
1. Identify the essential.
2. Eliminate the rest.

– Leo Babauta

Meine Hauptaufgaben (Prüfungsvorbereitung, HiWi-Job, Bachelorarbeit und Stille Revolution) habe ich bereits festgelegt. Aufgabe zwei, Eliminate the rest, stellt sich als wesentlich schwieriger heraus. Ich kann nicht einfach alle weiteren Stressoren in meinem Leben eliminieren. Da mein Alltag sowieso schon mit kleinen wichtigen Zwischenaufgaben überfüllt ist, wird jede weitere Verabredung, jede Arbeitsgruppe und jede Kleinigkeit im Haushalt, ein weiterer Stressfaktor. Je mehr Arbeit sich anhäuft, desto mehr kürze ich meine Freizeit und bin dann wiederum weniger produktiv und unkonzentriert bei meinen Hauptaufgaben.
Die einzige Tätigkeit, die in keinerlei Verbindung zu meiner to-do-Liste steht, ist Lesen (Romane, nicht Fachartikel). Also wird das meine neue Tagesaufgabe: Lesen, eine Stunde täglich. Abschalten. Der Rest kann warten.

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Autor: annagoesvegan

Anna. 23 Jahre. Psychologiestudentin. Seit acht Jahren Vegetarierin. Seit Juli 2012 vegan.

4 Kommentare zu “Zeitverdichtung

  1. Ein ganz wunderbarer Artikel!
    Wenn ich an die Anfänge des Projekts zurückdenke, dann kann ich sagen – du bist schon einen entscheidenden Schritt weiter! Und am meisten freut mich der letzte Satz: „Abschalten. Der Rest kann warten.“

  2. ….ach ja die Zeit…bei jeder vergangenen Woche denke ich darüber nach, was ich in dieser Woche eigentlich alles gemacht habe…
    …meist habe ich das Gefühl zu wenig getan zu haben…

    ….ein sehr interessantes Thema….

    vegan l♥ve&peace, miss viwi

  3. Ich glaube, dass man sich meistens nicht richtig bewusst macht, was man tatsächlich alles geschafft hat! Man muss wirklich lernen, die Dinge anders zu bewerten! Aber ich bin selbst noch nicht so genau dahinter gekommen, wie das geht…

    Liebste Grüße an Miss Viwi (:

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