Vegan Essen in Kanada – meine Erfahrungen

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Wenn man in Kanada Kaffee will, geht man zu Tim Hortons. Tim Horton war ein Hockeyspieler, der, nachdem seine Karriere zu Ende war, einen Coffeeshop gründete. Am ersten Tag klärte uns unser Reiseleiter auf, wie man in Kanada – bei Tim Hortons natürlich – seinen Kaffee trinkt: Double-Double. Zwei Stück Zucker, zwei mal Sahne. Davon am Besten drei täglich. Von da an war double-double der Running Gag. Double-double ist nämlich auch eine schöne Bezeichnung für all die übergewichtigen Menschen, die man in den Städten Kanadas sieht. Die genauen Zahlen kenne ich nicht, aber mit all den Fast Food Ketten (Tim Hortons, Starbuck’s, Wendy’s, Burger King, McDonalds, Mr. Sub, Subway, Pizza Hut, Pizza Pizza, Cora, Kentucky Fried Chicken usw.) folgt Kanada wohl dem Vorbild seines Nachbarlandes den USA.

Ich hingegen hatte große Bedenken, ob ich in Kanada überhaupt etwas zu Essen finde. Vorsichtshalber hatte ich einen großen Vorat an Mr. Toms mitgenommen. Und tatsächlich hat sich Kanada nicht als kulinarisch vielfältiges und offenes Land erwiesen. Das Abendessen war bei unserer Rundreise meist inklusive, fast jeden Abend gab es ein Menü mit drei Hauptspeisen, zwischen denen man wählen konnte. Aus Deutschland bin ich gewohnt, dass mindestens eines davon vegetarisch ist, nicht so jedoch in Kanada. Es gab Fleisch, Fleisch oder Fleisch und an „guten“ Tagen Fleisch, Fleisch oder Fisch. Zum Glück war unser Reiseleiter so freundlich und hat immer im Voraus in den jeweiligen Restaurants angerufen, um zu erfragen, ob es für mich eine vegane Alternative gibt. Dankbar war ich auch, dass der Mann mit dem Begriff „vegan“ überhaupt vertraut war und von selbst daran gedacht hat, die Restaurantbesitzer darauf hinzuweisen, dass beispielsweise auch die Nudeln eifrei sein sollten. Große kulinarische Ergüsse und Gaumenfreuden habe ich also nicht erwartet, wurde aber zumindest das eine oder andere Mal positiv überrascht. Während mir an einem Abend zum Beispiel nur ein Teller mit gemischtem Salat hingestellt wurde – ohne Dressing, nicht mal Essig und Öl, habe ich an anderen Abenden ein vollständiges Menü mit frischem Salat, einer Gemüsevariation und Obstsalat als Nachspeise bekommen. Meistens lief es bei den Köchen aber auf das selbe hinaus: Pasta mit Gemüse an Öl. Was solls.
Beim Frühstück war ich schon glücklicher, meist gab es viel frisches Obst, an guten Tagen sogar normales Müsli und nicht nur Cornflakes. Während sich die anderen mit Pancakes und Ahornsirup, French Toast, Bacon, Scrambled Eggs, Muffins und Kuchen die Bäuche vollgeschlagen haben, war ich schon über alle Maße zufrieden, wenn ich frische Ananas, Melone und Erdbeeren bekommen habe. Ich versuche ja, mich als Veganerin nicht prinzipiell überlegen zu fühlen, aber ich war voller Freude, als ich gemerkt habe, dass es mir an nichts fehlt. Bevor ich vegan wurde, konnte ich mir nicht vorstellen, dass mich ein großes Frühstücksbüffett oder der Geruch von frischgebackenen Muffins nicht in Versuchung führen könnte und zu dem ein oder anderen Rückfall führen würde. Dass ich nach zwei Monaten Veganseins überhaupt kein Verlangen mehr nach zuckerhaltigen Kohlehydraten, nach Käse oder Gebäck haben würde, hätte ich nie geglaubt – und gerade das war eine weitere Bestätigung, wie abhängig unsere herkömmlichen Nahrungsmittel uns machen und dass ich auf dem absolut richtigen Weg bin.

Seit ich aus Kanada zurück bin, erfreue ich mich an meinen Haferflocken mit Sojamilch, an frischen selbstangemachten Salatkreationen und Gemüse der Saison. Dass es in Kanada aber auch jede Menge leckeres Gemüse auf den Märkten gibt, zeige ich euch im morgigen Post!


 


Gemüse in einem Teig(?)körbchen am Lac Toureau.


Tagliatelle mit Rucola und Tomaten in Weißweinsoße in Québec.


Ciabattabrötchen mit gegrilltem Gemüse und Humus in Montréal.

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Autor: annagoesvegan

Anna. 23 Jahre. Psychologiestudentin. Seit acht Jahren Vegetarierin. Seit Juli 2012 vegan.

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